Virtuelle Realität für KMU

Ein Konsortium prüft den Einsatz kollaborativer Anwendungen der virtuellen, erweiterten und gemischten Realität in kleinen und mittelständischen Unternehmen Baden-Württembergs und unterstützt sie dabei, diese Technologien einzusetzen. Das sind Virtual, Augmented und Mixed Reality für verteilte Präsentationen, 3D-Trainings über Distanzen und Assistenzsysteme zur Unterstützung von Arbeitsprozessen. Zielbranchen im Projekt sind Handel, Handwerk, Luftfahrt, Medizintechnik und Produktion. In einem Leitfaden werden Best-Practice-Beispiele für die digitalen Kollaborationslösungen vorgestellt.

„Der digitale Wissenstransfer ist von zentraler Bedeutung für das Gelingen der Digitalisierung“, so steht es im ersten Digitalisierungsbericht der Landesregierung Baden-Württembergs, der im Mai vergangenen Jahres veröffentlicht wurde. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau hat ein Jahr davor einen Ideenwettbewerb für digitale Transferprojekte gestartet. Aus den 55 Vorschlägen wurden 15 für den Technologie- und Wissenstransfer in Baden-Württemberg ausgewählt. Die Projekte befassen sich mit verschiedenen Aspekten der Digitalisierung der Wirtschaft und zielen auf unterschiedliche Branchen.

Neben dem Transfer von Digitalisierungswissen steht auch die Entwicklung von Demonstratoren für die Digitalisierung im Fokus. „Mit den Projekten wollen wir insbesondere kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützen, ihr Wissen über intelligente, digital vernetzte Systeme sowie digitale Arbeits- und Geschäftsprozesse oder Geschäftsmodelle zu erweitern“, sagte Baden- Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut bei der Bekanntgabe der 15 Projekte, die das Land finanziell fördert – mit jeweils maximal 400.000 Euro.

Transferprojekt zur Digitalisierung

Darunter ist die Initiative Cyber Access Baden-Württemberg (CAB). Zielsetzung dieses Transferprojekts zur Digitalisierung ist es, mit Hilfe der Technologien der Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) den Technologie- und Wissenstransfer in der Industrie zu beschleunigen und ressourcenschonend zu betreiben. Das Projekt soll wesentlich dazu beitragen, dass ausgehend vom Mitgliederkreis der Konsortialpartner – das sind gut 800 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – wesentliche Impulse aus dem Technologiebereich VR, AR und MR in baden- württembergische Unternehmen transferiert werden.

Die drei Verbundpartner von CAB sind bwcon, microTEC Südwest und VDC Fellbach. bwcon ist die in Baden- Württemberg führende Wirtschaftsinitiative zur Förderung des Innovations- und Hightech-Standortes mit mehreren Niederlassungen im Land. microTEC Südwest ist das Kompetenz- und Kooperationsnetzwerk für intelligente Mikrosystemtechniklösungen für Europa mit Sitz in Freiburg. Der dritte im Bunde, VDC Fellbach, ist Deutschlands führendes Kompetenznetzwerk für virtuelle Realität und Virtual Engineering. Die drei Verbundpartner erproben seit Oktober 2018 innerhalb der zweijährigen Projektlaufzeit das neuartige Transferprojekt der Digitalisierung. Dabei werden kollaborative Anwendungsszenarien der folgenden drei Bereiche erprobt: Präsentation, Training und Assistenz. Die (AR-)Assistenzsysteme dienen der Unterstützung eines Arbeitsprozesses, etwa der Reparatur einer Maschine oder der Montage einer Anlage durch die virtuelle Zuschaltung eines Experten. Beim (VR-)Training geht es um die 3D-Qualifi zierung eines physisch entfernten Teilnehmers, beispielsweise für eine Vertriebsschulung oder ein Sicherheitstraining. Während der verteilten Präsentation sollen Objekte oder Umgebungen virtuell präsentiert werden, etwa für Marketingzwecke oder im Rahmen eines Design Reviews. „Diese drei Szenarien wurden ausgewählt, weil sie typische Fälle für kollaborative und virtuelle Anwendungen sind“, sagt Lara Trikha, die für bwcon das Projekt im Konsortium vertritt.

»MIT DEN PROJEKTEN WOLLEN WIR INSBESONDERE KLEINE UND MITTLERE UNTERNEHMEN UNTERSTÜTZEN.«

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut

Eintauchen in virtuelle Welten

VR, MR, AR sind Technologien, mit denen Anwender mittels 3D-Endgeräten in ein Produkt der eine Anwendung eintauchen können. „Hier befindet man sich virtuell in sehr realistischen Veranschaulichungen, die eine exzellente Substitution für vor-Ort-Meetings und Entwurfs- oder Konzeptbesprechungen sind“, sagt Milena Hoffmann, die für microTEC Südwest das Projekt betreut. Was aber ist der Unterschied zwischen VR, MR und AR? Der Begriff Mixed Reality wird zwar häufi g separat verwendet, die Technologie ist jedoch Teil von Augmented Reality. „AR ist, was die englische Bezeichnung schon verrät: das Erweitern der eigentlichen Realität um zusätzliche Inhalte“, sagt Franziska Jöckel, die vom Virtual Dimension Center das Projekt CAB vertritt. Erkennt zum Beispiel die Kamera des Smartphones oder Tablets den Eiffelturm, können aus einem Reiseführer interessante Informationen über das Bauwerk ins Kamerabild projiziert werden. Die Realität ist so um zusätzliche Informationen erweitert. Im Vergleich dazu ist VR eine virtuelle Realität, die programmiert wird und in der sich der Nutzer bewegt. Die reale Welt spielt in dieser Anwendung keine Rolle. Teilweise wird sie aber digital nachgestellt, etwa ein Rundgang durch ein Museum. Wenn in beiden Fällen nicht das Smartphone die Technik nutzt, sondern ein leistungsfähiger Computer und das bildgebende Gerät ebenfalls nicht das Smartphone ist, sondern eine ebenso leistungsfähige 3D-Brille, ist die reale von der virtuellen Welt kaum zu unterscheiden.

Der Fokus des CAB-Projekts liegt speziell auf der standortübergreifenden Kollaboration mittels VR/AR/MR. Das heißt: Es werden Anwendungsszenarien untersucht, die eine Zusammenarbeit auf Distanz unterstützen. Die virtuelle Kollaboration ermöglicht es, Informationen insbesondere über die Visualisierung von 3D-Modellen in Echtzeit immersiv auszutauschen. Weitere Vorteile sind beispielsweise der Wegfall von Reisekosten und -zeiten, Beschleunigung von Entwicklungszyklen und verringerte Fehlerquoten. Insbesondere dann, wenn eine interdisziplinäre Planung eines komplexen Projekts oder Objekts im Vordergrund steht, bieten diese Technologien einen großen Nutzen. „Es geht auch darum, mögliche Hürden und Eintrittsbarrieren durch konkrete Praxisbeispiele und verständliche Anleitungen für die Anwendung verteilter und digitaler Techniken zu reduzieren“, sagt Lara Trikha.


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Weitere Informationen über das Projekt Cyber Access Baden-Württemberg sowie Kontaktdaten der Ansprechpartner finden Sie unter: www.x-cluster-i40.de/