Unterstützung für Gründer mit StartUpSecure

Die Informationstechnologie entwickelt sich im Zuge der Digitalisierung rasant und parallel dazu der Bedarf an Cybersecurity. Damit gute Ideen aus der IT-Sicherheitsforschung schneller zu praktischen Anwendungen werden, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Gründungsinitiative StartUpSecure vor etwa einem Jahr gestartet.

Mit ihr wird die Einrichtung von Gründungsinkubatoren gefördert. In diesen Brutkästen für innovative Ideen werden Gründer umfassend beraten und unterstützt. Einer von bundesweit vier Inkubatoren ist am Karlsruher Institut für Technologie, dem KIT. Dort wurden bereits erste Start-ups von Forschern gegründet.

Mario Strefler, Projektkoordination bei Kastel

Das Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologie, kurz KASTEL, am KIT ist eines von deutschlandweit drei Kompetenzzentren für Cybersicherheit, die vom Bundesministerium für Bildung Forschung (BMBF) initiiert wurden. Ziel ist die Entwicklung eines umfassenden Ansatzes für IT-Sicherheit, anstelle isolierter Teillösungen. Aktuell forschen zwölf Arbeitsgruppen aus unterschiedlichen Instituten im KASTEL an IT-Sicherheit und Datenschutz. Mario Strefler ist Projektkoordinator von KASTEL. „Vorrangiges Ziel von KASTEL ist im ersten Schritt die Forschung an konkreten Themen aus der IT-Sicherheit“, sagt Strefler. Lässt sich aus einem Forschungsergebnis ein Produkt entwickeln, muss sich jemand dafür begeistern. „Das hängt dann allein von den Wissenschaftlern ab, die eine Entdeckung gemacht haben“, sagt Strefler. Eine Gründung setzt Mut und den Glauben an die eigene Idee voraus. Das Karlsruher KASTEL ist auch an der BMBF-Initiative StartUpSecure beteiligt. „Sie dient dazu, Ideen aus der Forschung in die Anwendung zu bringen“, sagt Strefler. Gründungen, bei denen IT-Sicherheit eine wesentliche Rolle spielt, werden von Mitarbeitern des KIT dabei unterstützt und vom Bund finanziell gefördert.

»VORRANGIGES ZIEL VON KASTEL IST IM ERSTEN SCHRITT DIE FORSCHUNG AN KONKRETEN THEMEN AUS DER IT-SICHERHEIT«

Mario Strefler

Expertentipps für Start-ups

Die meisten Mitarbeitenden dieser Einrichtung sind ehemalige Studierende des KIT und arbeiten als Wissenschaftler am KASTEL mit dem Ziel zu promovieren. Themen der Promotion sind Fragestellungen aus dem Bereich der IT-Sicherheit, die tiefgehend erforscht werden. Gründungen aus diesem Themenbereich sind eher selten, deshalb wurde die Initiative StartUpSecure KASTEL gestartet. „Nach gut eineinhalb Jahren Aufbauarbeit haben nun die ersten Wissenschaftler Unternehmen gründet“, sagt Strefler. Die Start-ups inlyse und prenode sind zwei Beispiele dafür. Bei StartUpSecure KASTEL arbeiten sowohl Angestellte des Kompetenzzentrums als auch vom Innovations- und Relationsmanagement sowie dem Gründungsbereich, der KIT-Gründerschmiede zusammen. Gründungsinteressierte Teams werden von diesen Abteilungen gemeinsam begleitet. „Ich komme ins Spiel, wenn ein Konzept inhaltlich zu beurteilen ist, fachlicher Rat benötigt wird oder um den Kontakt zu anderen Experten herzustellen“, sagt Strefler.

Thomas Neumann, Leiter Gründung und Beteiligungen KIT

Thomas Neumann leitet die Abteilung Gründungen und Beteiligungen im Innovations- und Relationsmanagement des KIT, zu der die KIT-Gründerschmiede gehört. „Wir betreuen alle Gründungsinteressierten am KIT, bieten neben Rat und Tat auch Veranstaltungen und Räumlichkeiten, darunter voll ausgestattete Büro- und Laborräume in unserem Hightech Inkubator“, erklärt er. Potentielle Gründer schauen sich Neumann und Strefler, beziehungsweise deren Mitarbeiter gemeinsam an. Im ersten Schritt geht es darum, die Idee zu konkretisieren und einen möglichen Business Case auszuarbeiten. Dabei arbeiten sie bei Bedarf mit anderen Lehrstühlen zusammen oder ziehen Mentoren und Coaches hinzu.

„Unser Ansatz basiert auf einem Lifecycle- Management, das heißt, wir bieten den Teams in den verschiedenen Gründungsphasen die jeweils passende Beratungs-, Fortbildungsund Finanzierungsmöglichkeit“, sagt Neumann. Das KIT hat den Anspruch, bei Ausgründungen mit starker Technologiebasis zu partizipieren. Oftmals ist es daher selbst der erste finanzielle Unterstützer. Die KIT-Gründerschmiede ist die erste Anlaufstelle am KIT für potentielle Gründer. StartUpSecure ist ein seit einem Jahr existierendes, bundesweites Förderprojekt und am KIT im KASTEL organisiert.

»UM EINE GRÜNDERKULTUR AUFZUBAUEN, BEDARF ES ZEIT UND DIE RICHTIGEN ANREIZE WIE RÄUMLICHKEITEN UND UNTERSTÜTZUNG.«

Thomas Neumann

Für das Innovations- und Relationsmanagement ist Cyber-Security weit mehr als die typischen Virenscanner. „Wir sehen IT-Sicherheit viel mehr als eine Querschnittstechnologie, die in allen industriellen Bereichen eine zunehmende
Wichtigkeit erfährt“, sagt Neumann. Insbesondere in kritischen Infrastrukturbereichen wie der Energiewirtschaft oder der vernetzten Mobilität. Bei StartUpSecure KASTEL beschränkt sich das KIT daher nicht nur auf Gründungen, die sich ausschließlich mit Cybersicherheit beschäftigen. „Wir unterstützen alle, die Cybersicherheit als wichtigen Aspekt ihres Geschäfts begreifen“, sagt Neumann. Die beiden Unternehmen inlyse und prenode haben mit Unterstützung von StartUpSecure KASTEL ihre Startups für IT-Sicherheit weiterentwickelt.

Start-up inlyse

Christian Boll und Julian Ziegler haben eine völlig neuartige Software für Unternehmen zum Schutz vor Schadsoftware entwickelt. inlyse, so der Produkt- und Firmenname, schützt Computersysteme durch Bilderkennungsmechanismen und selbstlernende Künstliche Intelligenz. „Unsere Lösung wurde durch das autonome Fahren inspiriert, in dem Bilderkennung im großen Stil eingesetzt wird“, sagt Boll. Um dies auf Computerdateien zu übertragen, müssen die Dateien zunächst in Bilder umgewandelt werden, die durch die Sequenz von Nullen und Einsen Muster bilden. Darin lassen sich wiederkehrende Strukturen identifizieren, PDF-Dateien etwa haben immer dieselbe Grundstruktur, können aber individuelle Texte oder Bilder enthalten, die unterschiedliche Muster erzeugen. Was sie nie haben, sind Strukturen von etwa ausführbaren Dateien mit der Endung „exe“. „Die Mehrheit der Computerviren sind ausführbare Dateien, und die haben in PDFs nichts zu suchen”, sagt Boll. Daran erkennt inlyse Schadsoftware.

Christian Boll &Julian Ziegler von inlyse

Christian Boll und Julian Ziegler lernten sich im Informatikstudium mit Schwerpunkt IT-Sicherheit kennen und suchten später gemeinsam nach einer wirksamen Lösung zum Schutz vor Malware. Dabei kam das Duo auf die Idee mit der Mustererkennung. Daraufhin haben sie sich um ein eXIST-Gründerstipendium des Bundes beworben, das ein Jahr, bis Juni 2019 lief. „In der Zeit haben wir den Markt validiert, am Produkt weiterentwickelt und einen Businessplan geschrieben“, sagt Ziegler. Im Oktober 2018 gründeten sie ihr in Karlsruhe ansässiges Unternehmen, inzwischen haben sie vier Mitarbeiter.

»UNSERE LÖSUNG WURDE DURCH DAS AUTONOME FAHREN INSPIRIERT, IN DEM BILDERKENNUNG IM GROSSEN STIL EINGESETZT WIRD.«

Christian Boll

Dort wurden Boll und Ziegler, die ihr Produkt vor dem Marktstart noch weiterentwickeln wollten, von Mitarbeitern der KIT-Gründerschmiede beraten und informiert, dass der Bund StartUpSecure-Gründungen in der IT-Sicherheit fördert. „Aktuell sind wir in der Bewerbungsphase“, sagt Ziegler. Die Software befindet sich in der Pilotphase, Marktstart ist voraussichtlich Anfang 2020. „Unser Programm kann ein komplettes Antivirensystem nicht ersetzen, aber wirkungsvoll ergänzen“, sagt Boll. Während gängige Programme schadhafte PDF-Dateien zu 97 Prozent erkennen, schafft inlyse 99,9 Prozent. Zunächst konzentrieren sich die beiden Gründer auf Office und PDF-Dateien, haben aber vor, ihr Angebot um andere Dateitypen zu erweitern.

Start-up prenode

Je mehr Daten für eine Künstliche Intelligenz zur Verfügung stehen, umso besser. In den USA und insbesondere in China sind alle Informationen quasi frei verfügbar, weshalb künstliche Intelligenz dort schon weit verbreitet ist. In Deutschland ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz aufgrund strenger Datenschutzbestimmungen eingeschränkt. „Wir haben eine Technologie entwickelt, die es Unternehmen ermöglicht, künstliche Intelligenz auf Basis vieler Daten zu entwickeln, ohne gegen das Datenschutzgesetz zu verstoßen“, sagt Ronny Schüritz. Er ist einer der beiden Gründer des Start-ups prenode.

Ronny Schürizt & Robin Hirt von prenode

Schüritz und sein Kompagnon Robin Hirt haben am KIT in Bereich der Wirtschaftsinformatik drei Jahre gemeinsam geforscht, waren Kollegen am Karlsruhe Service Research Institute und haben am KASTEL den Antrag auf Fördergelder für StartUpSecure gestellt. Im November 2018 gründete das Duo prenode. „Unsere Technologie ermöglicht es Unternehmen, künstliche intelligente IT-Lösungen auf dezentralen Daten zu entwickeln“, sagt Hirt. Das Modell von prenode funktioniert immer dann, wenn Unternehmen dieselben Fragestellungen, eigene Daten haben und bereit sind in einer Interessensgemeinschaft zusammenzuarbeiten.Große Gastronomen, beispielweise Vapiano oder Nordsee, brauchen möglichst genaue Vorhersagen für den Verkauf, um den Einkauf zu steuern. Jeder Gastronom hat seine eigenen Daten. „Die Vorhersagen werden deutlich präziser, wenn alle Beteiligten ihre Daten zur Verfügung stellen und eine Prognose daraus berechnet wird“, sagt Hirt. Sicherheitsmechanismen verhindern, dass Daten von Wettbewerbern extrahiert werden.

Im September werden die beiden Gründer neue Geschäftsräume in CyberForum beziehen und sich voll darauf konzentrieren, ihre Technologie bei Unternehmen auszurollen. Jetzt implementieren sie ihren IT-Service gleich auf mehreren IT-Plattformen deutscher Konzerne.


Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Prof. Dr. Jörn Müller-Quade