Transferprojekt Cloud Mall BW – 3 Praxispiloten

„Cloud Mall Baden-Württemberg“ ist ein Transferprojekt: Aus den Ideen der kleinen und mittleren Unternehmen sollen reale Produkte werden.

INSEKTEN-CLOUD

Die Überwachung und Überprüfung von möglichem Schädlingsbefall an Flughäfen oder in Krankenhäusern ist bislang eine vorwiegend manuelle und zeitaufwendige Tätigkeit, bei der sich trotz höchster Sorgfalt Schädlinge einnisten können. Eine Lösung liefert die Insekten-Cloud – eine digitale Art der Schädlingsüberwachung. An den Fallen werden Sensoren und eine Kamera angebracht. Deren Bilder werden von einer künstlichen Intelligenz zur Identifikation von Insekten eingesetzt. Ist der Fang kritisch, geht sofort eine Meldung an den Schädlingsbekämpfer, der die Falle per App lokalisiert und den Befall vor Ort prüft. „Diese Lösung reduziert den Personal- und Zeitaufwand erheblich, kritischer Schädlingsbefall wird frühzeitig erkannt und Epidemien durch schnelles Handeln vermieden“, sagt Sandra Frings vom IAO. Sie ist Projektleiterin dieses Praxispiloten. Kooperationspartner bei dieser Idee sind MeetNow! aus Albstadt, die mobile, cloudbasierte Lösungen entwickeln, sowie der Hersteller der Falle, das Unternehmen Frowein, ebenfalls aus Albstadt, das Lösungen zur Schädlingsbekämpfung und -überwachung anbietet. „Seit Mai wird der Prototyp der Falle entwickelt; erste Hardwaretests werden ab August in einem Pilot-Unternehmen durchgeführt. Parallel erfolgt die Entwicklung der Software“, sagt Frings. Mit dem Prototyp soll Frowein Marketing machen können.

PRAXISPILOT GRÜNSTROM

Der Preis für ein Produkt wird aus Angebot und Nachfrage gebildet. Das gilt für Sprudel, Sprit und Strom. Das Energiewirtschaftsgesetz gibt privaten Verbrauchern nun ein Recht auf einen dynamischen Stromtarif. Bislang üblich ist ein statischer Preis für jede verbrauchte Kilowattstunde. Bei dynamischen Stromtarifen wird der Strompreis an die unterschiedliche Stromnachfrage zu bestimmten Zeiten oder den Anteil erneuerbarer Energie im Netz angepasst. So können die Verbraucher Kosten sparen, die Energieanbieter die Stromnachfrage über den Tag und die Nacht besser verteilen und mehr Verbrauch auf erneuerbare Energien lenken. Es ist bekannt, dass der Strom aus der Steckdose nicht immer zu 100 Prozent Ökostrom ist, selbst wenn sich der Kunde für einen Anbieter entscheidet, der vollständig auf die Produktion aus erneuerbarer Energie setzt. Wie der Strom erzeugt wird, ist aber entscheidend für seinen Preis. Der GrünstromIndex gibt Auskunft darüber, wie hoch der tatsächliche Anteil an erneuerbarer Energie in einem bestimmten Postleitzahlengebiet in den nächsten 36 Stunden sein wird. Er beruht auf lokalen Wetterdaten, den voraussichtlichen Erzeugungsmengen und den Stromverbrauchswerten. Regionale Indexwerte kann heute nur der Cloud-Serviceanbieter STROMDAO aus Mauer bei Heidelberg liefern. Den regionalen GrünstromIndex integriert das Unternehmen in die IT-Landschaft der Stadtwerke Eberbach und Tübingen mittels einer Schnittstelle. Die macht es möglich, ihren Kunden dynamische Stromtarife anzubieten. Betrieben wird die Lösung auf der Cloud-Plattform von der badenIT in Freiburg. „Die Kooperation des Quartetts ermöglicht es den Stadtwerken auch künftig wettbewerbsfähig in ihren Märkten zu agieren. STROMDAO hat weitere Kunden für seine regionalen Indexwerte und für die badenIT besteht die Möglichkeit, weitere Energieerzeuger als neue Kunden für die Lösung zu gewinnen und so ein komplementäres, neues Leistungsangebot im Konzern aufzubauen“, sagt der Projektleiter dieses Praxispiloten Damian Kutzias aus dem IAO.

GREEN FACTORY

Das Herzstück eines jeden Industrieunternehmens ist Enterprise Resource Planning, kurz ERP. Die komplexe IT-Anwendung regelt alle wichtigen Kernprozesse der Geschäftsressourcenplanung. Die große Ausnahme dabei waren bis jetzt die Prozesse für die Reduzierung des Energieverbrauchs von Produktionsressourcen. Dabei könnten die nötigen Informationen dem ERP-System zur Laufzeit über die Cloud vermittelt werden. Auf dieser Basis kann ein ERP-System auf veränderte Rahmenbedingungen schnell reagieren und die Produktionsaufträge optimieren, um die Produktion effizient zu steuern. Diese Idee hatte die KUMAVISION AG mit Sitz in Markdorf am Bodensee. Das Unternehmen ist auf integrierte IT-Lösungen für den Mittelstand spezialisiert und bietet ERP-Lösungen an. Entwickler von KUMAVISION kamen mit ihrer Idee zu Projektmitarbeitern von Cloud Mall BW. „Zu etwa gleicher Zeit hat sich inintegrierte Informationssysteme GmbH, kurz in-GmbH, aus Konstanz an uns gewendet und den Energiemanagement-Service für Industriebetriebe vorgestellt. Uns war sofort klar, wir müssen die zwei zusammenbringen“, sagt Olga Meyer vom IPA, Projektleiterin dieses Praxispiloten. Die in-GmbH unterstützt ihre Kunden bei der Digitalisierung mit innovativen Softwarelösungen, im Produktentstehungsprozess, bei der Produktionsüberwachung, der Intralogistik und im Energiemanagement. Zur Mittagszeit wird der meiste Strom verbraucht, der Strompreis ist dann am höchsten. Mit der Nutzung von Produktionsdaten, Wetter- und Strompreisprognosen ist es möglich, solche Lastspitzen frühzeitig zu erkennen. Der ERP Service von KUMAVISION AG und der Energiemanagement-Service sind beide als digitale Anwendungen in GREEN Factory Service integriert. „Ein Produktionsunternehmen, das GREEN Factory nutzt, kann nun auf die neuesten Prognosen schnell reagieren und die Produktionsressourcen so planen, dass Maschinen, die am meisten Strom verbrauchen, nur in den Zeiten laufen, in denen der Strompreis am niedrigsten ist“, sagt Meyer. Aktuell sind die Projektpartner auf der Suche nach weiteren Anwenderunternehmen als Pilotanwender.


Titelbild: unsplash, Alina Grubnyak