Nutzen aus der Cloud

Cloud Computing – hinter diesem Akronym verbirgt sich einer der wohl wichtigsten Trends der Digitalisierung. Ein Trend auf dessen Basis Facebook, Google & Co gigantische Wachstumsraten generiert haben. Ein Trend, der auch für die Wirtschaft im Südwesten große Potenziale birgt. Welche, das soll das Projekt Cloud Mall BW insbesondere mittelständischen Unternehmen aufzeigen (Infobox). Was aber steckt hinter dem wolkigen Begriff?

Hinter dem Trend steht der Kernansatz, Informationsdienste nicht wie bisher in Form einer individuell entwickelten und angepassten Lösung bereit zu stellen, sondern mittels industrialisierter Prozesse, hochskalierbar und mit minimaler Kapitalbindung anbieten zu können.

Ein weiterer globaler Technologie-Trend verfolgt das Ziel, durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik (kurz: IKT) und Sensorik/Aktorik die Vernetzung im Internet stark voranzutreiben. Hierbei werden unter dem Akronym „Internet of Things“ beziehungsweise Internet der Dinge und Dienste weitere Informations- bzw. Datenquellen an das Internet angebunden und mittels einer zentralen IT-Infrastruktur, zum Beispiel in der Cloud, so aufbereitet, dass weitere Wertschöpfung erzielt werden kann. Somit gewinnt der Einsatz von IKT zunehmend an Bedeutung für den Unternehmenserfolg und spielt eine wichtige Rolle bei Produkt- und Prozessinnovationen.

Dies gilt insbesondere für die Wirtschaft im Hochlohnland Baden-Württemberg, die sich unter anderem durch eine hohe Exportorientierung, Technologiekompetenz, starken Automobil- und Fahrzeugbau sowie starker mittelständischer Wirtschaft und viele Handwerkunternehmen auszeichnet. Durch intelligenten Einsatz von IKT kann die hervorragende nationale und internationale Stellung gefestigt und ausgebaut werden.

Doch Cloud Computing ist nicht nur für die Anwender von Informationstechnologien relevant, denn Baden-Württemberg ist zusätzlich ein sehr wichtiger Standort für Unternehmen der Informations­technologie. Das statistische Landesamt hat beispielsweise ermittelt, dass mehr als ein Fünftel der Software­umsätze in Deutschland aus Baden-Württemberg kommen, und das Land damit eines der drei führenden Bundesländer ist. Zu den Unternehmen der IT-Branche zählen nicht nur große Namen wie SAP, IBM oder Hewlett Packard, sondern auch viele mittelständische Unternehmen. Hinzu kommen eine sehr starke Position der Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen und ein weit verzweigtes Netz von Transfer­einrichtungen.

Betrachtet man die aktuelle Penetration der Cloud-Dienste etwas detaillierter, so ist zu beobachten, dass Großunternehmen bislang weniger Berührungsängste mit dieser Technologie haben. Diese Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Cloud Computing bereits zu einem hohen Grad einsetzen. Operativ bedeutet dies jedoch, dass die Implementierung der Technologie häufig innerhalb des Unternehmens erfolgt und somit eine sogenannte private-Cloud realisiert wird. Dieses Vorgehen bieten einmal dem Unternehmen die Möglichkeit, Skaleneffekte in der eigenen IT zu erzeugen und stellt weiter sicher, dass die häufig hervorgebrachten Bedenken der Technologie bezüglich Sicherheit und Datenschutz hinreichend ausgeräumt werden.

Cloud Computing ermöglicht neue Wertschöpfung
Bei kleineren Unternehmen ist der Einsatz von Cloud Computing häufig noch von Vorbehalten geprägt, die sich einmal auf das Thema Sicherheit und Datenschutz fokussieren, aber auch von den kleineren Unternehmen einen Veränderungsprozess in den internen Abläufen einfordert, der häufig diesen Unternehmen als (noch) nicht lohnenswert erscheint. Cloud Computing im Zusammenspiel mit der Fähigkeit, die vom Internet of Things bereitgestellten Daten zentral zu erfassen, analysieren und auswerten zu können, bietet Unternehmen zahlreiche Chancen. So kann die eigene Wertschöpfung dahingehend erweitert werden, dass unter anderem Wertschöpfungsnetzwerke aufgebaut werden können – das heißt kooperative Strukturen von Unternehmen geschaffen werden können, die am Markt eine integrierte Lösung anbieten und somit dem Kunden einen Mehrwert schaffen. Eine weitere Möglichkeit ist, zusätzliche Wertschöpfung in den After-Sales-Bereich zu verlagern. Dies geschieht mittels weiteren Service-Modellen oder neuartigen Wartungs-Dienstleistungen. Hierbei spricht man auch oft von einer Servicifizierung der Produkte. Der Vorteil hierbei besteht beim Anwender in einer reduzierten Kapitalbindung und einer effizienteren Allokation der Ressourcen an den eigenen Bedarf und beim Anbieter in einer Erhöhung der Umsätze über den Produktlebenszyklus hinweg.

Hierbei ist zu beobachten, dass Cloud Computing für zahlreiche kleinere und mittelständische Unternehmen nur dann wirtschaftlich sinnvoll erscheint, wenn die Unternehmen die Möglichkeit der neuen Wertschöpfungsmöglichkeiten auch wirklich Nutzen wollen. Hierfür ist vielerorts auch ein Wechsel im Denken der Unternehmen erforderlich.

Aus Sicht der Software-Anbieter
Cloud Computing hat selbstverständlich auch für die Anbieter von Unternehmenssoftware einige Herausforderungen. Diese liegen einmal im Bereich der Standardisierung, der vom Transfer von Prozessen in eine Cloud eingefordert wird. Zahlreiche Unternehmen, die heute Unternehmenssoftware für die mittelständische Industrie einsetzen und individuell anpassen, sind der Gefahr ausgesetzt, dass ein Standardisierungsprozess auf Anwenderseite den Bedarf nach Individuallösungen reduziert oder in diesem Bereich einigen Software-Anbietern in Nischenbereichen ihr Markt wegzufallen droht. Dies könnte zu einer Marktkonsolidierung führen. Weiter besteht der Bedarf auf Seiten der Anwender, dass die verschiedenen IT-Lösungen, die verschiedene Bereiche der Unternehmenssoftware anbieten, integriert werden. Der Integrationsaufwand führt auf Anwenderseite in der Regel zu hohen Kosten und gegebenenfalls zu nicht klar definierten Zuständigkeiten. Anwenderunternehmen sind hier zunehmend weniger gewillt, dieses Risiko alleine zu tragen und werden eine Lösung bevorzugen, bei der der Integrationsaufwand auf Anbieterseite liegt und die Lösung zwar nach den individuellen Anforderungen, aber integriert, beziehungsweise teilintegriert, mit klaren Zuständigkeiten angeboten wird. Dies kann dazu führen, dass man sich von den Komplettanbietern oft monolithischen Systemen zuwendet und den kleinen Nischenanbietern hier die Geschäftsgrundlage Schritt für Schritt entzogen werden könnte.

Offener Marktplatz für Anbieter und Nachfrager
Sehr viele Ansätze zur Schaffung von Cloud Malls gibt es bereits. Viele von ihnen werben damit „alle IT Leistungen aus einer Hand“ anbieten zu können. Faktisch bedeuten diese Angebote, dass man sich auf Anwenderseite einem Standardisierungsprozess unterwerfen muss, da diese Angebote sicherlich nicht die verschiedenen Geschäftsprozesse der Anwenderfirmen so unterstützen, dass ein aufwendiges Changemanagement vermieden werden kann. Oft läuft das Anwenderunternehmen Gefahr, bei einem solchen Adaptionsprozess an eigener Agilität zu verlieren.

Das grundlegende Problem bei derartigen Systemen ist auf Anwenderseite die Angst von Unternehmen, durch Einbringen von Geschäftsdaten in einem kooperativen Prozess den exklusiven Kundenzugang zu verlieren. Dieses Verhalten konnte auch vor ca. 15 Jahren im Bereich Telekommunikation beobachtet werden, als Unternehmen wie Mobilcom, Hansanet, Debitel und andere als virtueller Netzbetreiber ohne Netz sehr große Hemmungen hatten, ihre Kundendaten zu einem Netzbetreiber auszulagern. Strenggenommen bestehen diese Vorbehalte bis heute.

Aus Sicht der Anbieter besteht die Herausforderung, den Anbietern von Softwarelösungen im Bereich Unternehmenssoftware eine Möglichkeit zu bieten, die eigenen Angebote auf einem Marktplatz vermarkten zu können. Hierbei kann ein Unternehmen den direkten Kundenkontakt verlieren beziehungsweise mit einem anderen Unternehmen teilen. Kernherausforderung hierbei ist, sowohl ein Revenue-Sharing-Konzept zu installieren, das für alle Beteiligten transparente und klare Bedingungen erzeugt, die das Benützten eines Marktplatzes incentiviert, und zusätzlich ein Betreiberkonzept so implementiert, dass im Fehlerfall und im Kundenbetreuungsfall klare Zuständigkeiten definiert sind.

Das Projekt Cloud Mall