Bei der Morgenstadt- Werkstatt dreht sich alles um die Herausforderungen und Chancen der Städte von morgen. //Foto: Fraunhofer IAO

Digitale Stadt aus vielen Perspektiven

Die Urbanisierung bringt komplexe Herausforderungen für Städte mit sich. Energie, Mobilität, demografischer und digitaler Wandel müssen gelöst werden. Das funktioniert am ehesten branchenübergreifend. Ende November 2017 bringt das Fraunhofer IAO alle Akteure einer zukunftsfähigen Stadt bei Vorträgen, Diskussionen und Workshops zusammen. In einem Makeathon entwickeln sie Lösungen für die Stadt von morgen.

Bis zum Jahr 2050 werden rund 6,4 Milliarden Menschen und damit mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in Metropolen leben. Davon gehen Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus. Für die Städte, aber auch für die Menschen bringt die anhaltende Urbanisierung große Herausforderungen mit sich.

Trend zur Urbanisierung
Schon heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Seit Jahrzehnten besteht der Trend zur Urbanisierung, mit der Folge, dass die Märkte der Zukunft die Städte von morgen sind. Darauf sollten sie vorbereitet sein, indem sie innovativ, zukunftsfähig und sozial verträglich gestaltet werden. Einzelne schaffen das nicht, das gelingt nur, wenn alle Akteure mitmachen. „Die Herausforderungen, vor denen Kommunen jeder Größe in Deutschland und Europa stehen, sind so komplex und weitreichend, dass es nicht genügt, heutige Infrastrukturbereiche wie Mobilität, Energie oder Wasser zu optimieren“, sagt Susanne Schatzinger, Leiterin des Teams „Smart Urban Environments“ am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart. „Wir brauchen neue Baupläne und starke Innovationspartnerschaften, um die Kommunen von morgen nachhaltig und lebenswert zu gestalten.“ Die Morgenstadt-Werkstatt des Fraunhofer IAO soll die Bühne dafür bieten. Schatzinger hat dieses Format im Jahr 2016 ins Leben gerufen. Als Plattform für den Austausch und Ort der Vernetzung dient die Veranstaltung als lösungsorientierter Dialog zwischen Bürgern, Verwaltung, Politik und Unternehmen.

Mit interaktiven Formaten wie Diskussionsrunden, Workshops mit Themengebern aus unterschiedlichen Industrien, von denen alle direktes Interesse an Innovationspotentialen im urbanen Raum haben, Impulsvorträgen zu den neuesten Entwicklungen in den Bereichen technischer Innovationen und Geschäftsmodellentwicklung, Speedmeetings zum direkten Austausch mit anderen Teilnehmern und einem Makeathon ist jeder dazu eingeladen, seine Stadt von morgen mit zu gestalten.

Bei der Morgenstadt- Werkstatt dreht sich alles um die Herausforderungen und Chancen der Städte von morgen. //Foto: Fraunhofer IAO
Bei der Morgenstadt-Werkstatt dreht sich alles um die Herausforderungen und Chancen der Städte von morgen. //Foto: Fraunhofer IAO

Die Morgenstadt-Werkstatt geht über zwei Tage. Sie fand im vergangenen Jahr zum ersten Mal und in diesem Jahr am 29. und 30. November statt, am Fraunhofer IAO in Stuttgart, im Zentrum für virtuelles Engineering. Veranstalter sind das Fraunhofer IAO und das Innenministerium Baden-Württemberg. Projektpartner sind Städtetag, Gemeindetag und Landkreistag jeweils von Baden-Württemberg sowie die Messe Stuttgart. „Der Event im September 2016 war ein voller Erfolg“, sagt Schatzinger. In 18 Impulsvorträgen und 19 Workshops tauschten sich die Teilnehmer über Probleme und mögliche Lösungen aus. Schwerpunktthemen im vergangenen Jahr waren unter anderem Energie, Mobilität und Verwaltung. Beim Makeathon entwickelten rund 50 kreative Köpfe konkrete Ideen und Konzepte für die Stadt der Zukunft.

Zusammenarbeit gefragt
Die Morgenstadt-Werkstatt steht in diesem Jahr unter dem Motto ‚Digitale Kommune @BW‘. Schwerpunktthemen sind beispielsweise Digitalisierung und Datenverwaltung, Mobilitätssysteme und neue Verkehrsträger sowie dezentrale Energiesysteme. Sowohl Städte als auch Unternehmen arbeiten heute schon an guten Lösungen für die Stadt der Zukunft. „Den Unternehmen fehlt es jedoch häufig an Wissen darüber, was Städte wirklich brauchen. Die Städte hingegen kennen die Produkte nicht, die ihnen bei der Bewältigung der vielen Herausforderungen am besten helfen können“, sagt Schatzinger. Die Fraunhofer-Forscher kennen beide Seiten und können die einzelnen Puzzleteile mit Hilfe wissenschaftlich fundierter Methoden und Prozesse zu einem Gesamtbild zusammenfügen. „Um von der kleinen Einzellösung zum großen Innovationssprung zu kommen, müssen alle Stadtakteure ihre Prozesse öffnen und interdisziplinär zusammenarbeiten“, sagt Schatzinger. Dafür bietet die Werkstatt die Bühne.

In zahlreichen Workshops werden Ideen gesammelt, präsentiert und diskutiert. //Foto: Fraunhofer IAO
In zahlreichen Workshops werden Ideen gesammelt, präsentiert und diskutiert.
//Foto: Fraunhofer IAO

Individuelles Tagesprogramm
Ziel der Morgenstadt-Werkstatt ist es, alle Akteure miteinander zu vernetzen, die sich direkt oder indirekt mit der Stadt der Zukunft auseinandersetzen. Ob Architekt, Stadtplaner, Bürger oder Unternehmer: bei der Veranstaltung kann jeder seine eigenen Fragestellungen, Ideen und Projekte in die Runde einbringen, gemeinsam mit anderen Lösungen dazu entwickeln, Partner finden und Impulse mitnehmen. Je nach Interessenslage können die Teilnehmer ihr Tagesprogramm individuell zusammenstellen, sie können Fragen stellen oder ihre eigenen Ideen innerhalb der Werkstatt integrieren.

Die zahlreichen Workshops und Impulsvorträge sollen zum Nachdenken und Einbringen anregen. In einem Vortrag beispielsweise stellt ein Unternehmensgründer seine Idee vor, wie er die Abfallwirtschaft digitalisieren will. Das Startup hat ein System entwickelt, mit dem Abfallcontainer optimiert geleert werden. Das Unternehmen stellen wir auf den Seiten 16 und 17 dieses Magazins vor.

Beim Makeathon sind spannende Ideen gefragt
Highlight der Morgenstadt-Werkstatt ist der von Fraunhofer-Experten moderierte „Smart City Makeathon“. Dort entwerfen bunt gemischte Gruppen aus neugierigen Studierenden, Mitarbeiter aus Unternehmen sowie Hackern an beiden Tagen spannende Produkte für die Zukunftsstadt. Das können Pläne, Applikationen oder Prototypen für neue, kreative Anwendungen in und für Städte sein. Der Makeathon beginnt bereits einen Tag vor der eigentlichen Veranstaltung, sodass die Teilnehmer auch die Möglichkeit haben, an den Kreativworkshops und Impulsvorträgen teilzunehmen. Die besten Konzepte werden übrigens mit einem Preis belohnt, der vom baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl überreicht wird.

Während der Veranstaltung stellen Unternehmen Produkte aus, die sie für die Stadt von Morgen entworfen haben.

Peter Ilg


#kurzundknapp

Morgenstadt-Werkstatt und Smart City Makeathon

Zielgruppe: Jeder, der sich für die Stadt von morgen interessiert
Termin Werkstatt: 29.11.2017 – 30.11.2017
Termin Makeathon: 28.11.2017 – 29.11.2017
Kosten: 50 Euro für Vertreter von Start-ups und Städten,
Mitarbeiter von Unternehmen 90 Euro,
Studierende 15 Euro, jeweils pro Tag und Person.
Ort: Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation
IAO – Zentrum für Virtuelles Engineering ZVE, Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
Programm & Anmeldung: www.morgenstadt.de/werkstatt2017
Kontakt: susanne.schatzinger@iao.fraunhofer.de
Anmeldeschluss: 15. November 2017