Interview zu den Trends AI & Blockchain

Die Experten Dr. Alex von Frankenberg (AvF), Thomas R. Villinger (TV) und Dr. Jens Ortgiese (JO) im Gespräch über die Trends AI und Blockchain.

Wie schauen Sie auf die Trends AI & Blockchain?

AvF: Beide Technologiefelder entwickeln sich äußerst dynamisch und werden in den nächsten 5 Jahren sehr spannende und erfolgreiche Startups und Lösungen hervorbringen. Insbesondere Blockchain ist ein Bereich, in dem das Rennen gerade begonnen hat und aus Deutschland große Player entstehen können.

TV: Unternehmen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und Blockchain sind die Treiber der digitalen Transformation, besitzen disruptives Potenzial und befinden sich im Inner Circle unseres Investitionsfokus. Zwischen Mensch und Maschine entwickeln sich komplett neue Beziehungsmodelle und das Wertschöpfungspotenzial das z. B. aus der Zusammenarbeit von Robotern und Menschen geschaffen wird ist riesig. Allein bis 2030 wird laut McKinsey durch KI eine zusätzliche globale Wertschöpfung von 13 Billionen US-Dollar erwartet. Wer als Unternehmen die Themen Künstliche Intelligenz und Blockchain ausblendet, wird an Produktivität verlieren und mittelfristig nicht mehr konkurrenzfähig sein. Entsprechend wichtig ist es für uns, technologisch führende Start-ups in diesen Bereichen zu identifizieren.

JO: Wir bei STIHL Digital orientieren uns bei der Suche nach Startups an bestimmten Themenbereichen wie Forestry, Professional Landscaping oder Construction, die für STIHL aktuell und vor allem in Zukunft relevant sein können. Natürlich nehmen wir Trends wahr und versuchen diese schon frühzeitig zu antizipieren. Die Bereiche AI & Blockchain haben wir schon länger auf unserem Radar.


Zur Person

Dr. Alex von Frankenberg ist Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds und seit 2000 im Venture Capital / Start-up Umfeld tätig. Zuvor war er beim Siemens Technology Accelerator als Venture Manager verantwortlich für Spin-offs aus der Corporate Technology vonSiemens. 2001/2002 war er Vertriebsleiter in einem IT Start-up. Davor war er als Projektleiter bei Siemens Management Consulting unter anderem für den Aufbau eines konzerninternen Inkubators verantwortlich. Er begann seine Karriere bei Andersen Consulting mit der Entwicklung von komplexen IT Systemen. Herr Dr. Frankenberg hat an der Universität Mannheim und der University of Texas at Austin studiert (MBA) sowie in Mannheim über die Bildung von de-facto Technologiestandards promoviert.


Was ist Ihnen speziell wichtig bei der Bewertung von Investments in diesem Bereich?

AvF: Spannende Technologien verleiten manchmal dazu den Business Aspekt zu übersehen. Gerade bei Blockchain Themen fehlen uns oft funktionierende Geschäftsmodelle. Darauf achten wir.

TV: Die beste Technologie kann ohne das passende Management-Team nicht in ein florierendes Unternehmen überführt werden. Von daher schauen wir uns neben der Technologie sehr genau die handelnden Personen, Ihre Hintergründe und die Zusammensetzung des Teams an. Erstinvestments erfolgen durch unseren Seedfonds Born2Grow in einer Seed- und Start-up-Phase. Durch den Zukunftsfonds steht den Portfoliounternehmen bei positiver Entwicklung Kapital für weiteres Wachstum zur Verfügung.

JO: Bei der Bewertung achten wir neben einer starken technologischen Entwicklung auch auf des Gesamtkonzept. Ohne sinnvolle Anwendung, die einem bestimmten Zweck dient, ist auch die beste Technologie verschwendet. Neben der Reife der Technologie bewerten wir deshalb auch die Anwendungsfelder.


Zur Person

Thomas R. Villinger ist Mitgründer und Geschäftsführer des Zukunftsfonds Heilbronn sowie Verwaltungsrat von Born2Grow. Er ist seit mehr als 25 Jahren in führenden Positionen in den Bereichen Technologiefinanzierung, Venture Capital und M&A tätig. Er ist in zahlreichen Aufsichtsratsgremien von Early-Stage- Beteiligungen vertreten und ein international gefragter Experte bei der Finanzierung von technologieorientierten Startups.


Haben Sie ein gutes Beispiel aus Ihrem Portfolio?

AvF: Im Bereich Blockchain haben wir 6 sehr vielversprechende Investments abgeschlossen. Schon Anfang 2016 Bitwala, dann 2019 Iconiq Lab, Coinlend, Agora, Tangany und Spherity. Spherity löst das Thema Identity im machine-to-machine Bereich. Superspannend, vor allem wenn man bedenkt, dass es viel mehr Maschinen als Menschen gibt und in dem Bereich der Datenschutz viel weniger restriktiv ist.

TV: Unser deutsch-israelisches Portfolio-Unternehmen Inspekto ist dabei, den Bereich der industriellen Bildverarbeitung neu zu definieren. Durch eine völlig neue Methode der bildgestützten Qualitätskontrolle auf der Grundlage von selbstlernender und selbstanpassender künstlicher Intelligenz wird die digitale Fabrik Realität. Mit Technologieplattform für ultra-dynamische Aktoren von MetisMotion und troy, die durch den Einsatz von KI das Mahn- und Inkassowesen revolutionieren, haben wir zwei weitere Firmen im Portfolio. Und darüber hinaus viele interessante Businesspläne auf dem Schreibtisch.

JO: Im Bereich AI gibt es unzählige interessante Anwendungsfelder. Einige Startups ermöglichen die Auswertung von Luftbildern aus dem Wald. So können beispielsweise früh Kalamitäten wie Käferbefall erkannt und bekämpft werden. Auch Blockchain-Technologie wird im Forst verwendet, beispielsweise zur Rückverfolgbarkeit der Baumstämme über den gesamten Wertschöpfungszyklus. Ein konkretes Projekt verfolgten wir beispielsweise mit dem Startup ToolSense, die Sensordaten aus Maschinen und Geräten analysieren und so ein digitales Flottenmangement ermöglichen.


Zur Person

Dr. Jens Ortgiese ist Director Venturing bei STIHL Digital. Er hat mehr als 15 Jahre internationale Berufserfahrung in den Bereichen Startups und Wagniskapitalfinanzierung. Ebenfalls ist er Mitglied des Investitionskomitees des High-Tech Gründer Fonds.

Über STIHL Digital

Die STIHL Digital GmbH dient dazu, Beteiligungen der STIHL Gruppe an externen Startups zu bündeln. Neben Startup-Investitionen hat das Digital Venturing von STIHL das Ziel, Kooperationen mit Startups auszubauen und zu beschleunigen. Durch Innovationen und digitalen Wandel versuchen wir STIHL voranzutreiben. Am globalen F&E-Standort von STIHL angesiedelt und von internen Branchen- und Investmentexperten betreut, bauen wir starke und dauerhafte Verbindungen zu den Top-Startups der Welt auf.


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Titelbild von Gerd Altmann auf Pixabay