Der Weg zur Digitalen Wertschöpfung

Die Digitalisierung und speziell die künstliche Intelligenz verändern die Arbeitsweise, Organisation und Wertschöpfung in Unternehmen. Neue Fähigkeiten und Fertigkeiten sind von den Mitarbeitenden gefragt. Das ergaben auch Studien der Haufe Group und Deloitte – 70 Prozent der Firmen können weiter digitalisieren (Haufe), 79 Prozent der deutschen Unternehmen sehen KI als wesentlichen Faktor für den Geschäftserfolg (Deloitte). Gleichzeitig wird ein Mangel an spezialisierten Fachkräften in diesem Bereich beklagt. Die bwcon nimmt diese Ergebnisse zum Anlass, in Zusammenarbeit mit der IHK Rhein Neckar und dem Zentrum für Weiterbildung Heilbronn Franken einen Lehrgang zum/zur KI Business Development ManagerIn anzubieten.

Sie haben im April Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu Corona und der Zeit danach befragt. Was zeigt Ihre Studie mit Blick auf den Digitalisierungsschub, den wir gerade erleben?

Joachim Rotzinger
Managing Director Business Group Corporations, berichtet über die Studienergebnisse.

Die Erhebung zeigt klar: Digitalisierung ist in den kommenden Jahren das Investitionsfeld Nummer eins. Zudem hat sich herausgestellt, dass die Firmen, die hohes Digitalisierungspotenzial haben, zuversichtlicher in die Zukunft blicken als andere. Außerdem wird klar: Digitalisierung bedeutet mehr als die Implementierung digitaler Technologien. Sie bedarf der Flexibilisierung von Strukturen und Prozessen und braucht die Modernisierung der Personalarbeit. Stichworte sind hier: Mehr Eigenverantwortung, mehr Flexibilität, ein neues Führungsverständnis. Aber sie verändert auch, wie Menschen lernen. Das geschieht zunehmend selbstorganisiert, am Arbeitsplatz, auf Lern- und Austauschplattformen.

Wo setzen Unternehmen bei der Digitalisierung am besten an?

Corona hat auch den letzten Zweiflern gezeigt, dass digitale Medien die Zusammenarbeit im Unternehmen, aber auch mit Partnern oder Kunden fördern. Entsprechend geht es hier um Collaboration-Tools, die virtuelle Meetings ermöglichen, Wissensaustausch, Aufgabenpriorisierung und so weiter. Aber auch die weitere Digitalisierung der Kernprozesse im Unternehmen, zum Beispiel in den transformationskritischen Bereichen HR und Learning, steht an. Sie sorgt dafür, dass Dinge schneller und effektiver erledigt werden. Und dann gibt es noch die Themen, die ganz neue Horizonte eröffnen, wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz.

Welchen Stellenwert wird Künstliche Intelligenz bekommen im Rahmen der Digitalisierung?

Aus unserer Sicht wird KI drei zukunftsweisende Effekte haben. Erstens: Sie hilft, Potenziale zu heben, die im Unternehmen bisher nicht gehoben werden konnten. Zum Beispiel die arbeitsintensive Analyse bestehender Daten. Zweitens trägt sie dazu bei, digitale Prozesse klarer auf die Kunden auszurichten. Wir zum Beispiel können dank „Natural Language Processing“ und „Natural Language Understanding“ Suchanfragen unserer Kunden wesentlich besser zu relevanten Inhalten unserer Datenbanken leiten. Drittens schafft KI Freiraum für wertschöpfende Tätigkeiten. So gibt unser HR-Bot automatisierte Antworten zu häufigen Anfragen an die Personalabteilung und ermöglicht deren Mitarbeitern, sich um andere Dinge zu kümmern.

Digitalisierung ist in den kommenden Jahren das Investitionsfeld Nummer eins.

Joachim Rotzinger

Haufe

Unter dem Titel „Wir nach Corona“ hat die Haufe Group aus Freiburg i. Br. im Mai eine Studie zu Szenarien der Wirtschafts- und Arbeitswelt der kommenden Jahre vorgelegt. Befragt wurden 1.612 Menschen aus Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Haufe ist einer der führenden Anbieter für digitale Arbeitsplatzlösungen und Weiterbildung in Deutschland. Durch konsequente Digitalisierung konnte sich Haufe über die letzten Jahrzehnte vom einstigen Fachverlag zum Spezialisten für digitale und webbasierte Services sowie agile und zukunftsfähige Organisationen entwickeln. Haufe ist neben Lexware eine Marke der Haufe Group.


Datennutzung als Herausforderung und Chance

In vielen Branchen werden sich die Geschäftsmodelle hin zu datengetriebenen Ideen entwickeln. Damit wird es notwendig, Mitarbeiter für das Potential von Daten von der Produktentstehung bis zur -nutzung unter Beachtung des Datenschutzes zu sensibilisieren. Dies geht nur über breitgefächerte Weiterbildungsangebote, ist sich Dr. Carsten Günther von Codefy sicher. „Mit der Einführung von KI-basierten Methoden und Technologien werden sich Angebote, Kundenbeziehungen und Geschäftsmodelle fundamental ändern. Genau diesen Weg müssen Firmen auf Lieferanten- und Nutzerseite mitgehen, d.h. sie müssen offen sein für neue Technologien, für Geschäftsprozess-Innovationen und innovative Kundenbedürfnisse. Sie müssen sich technisch und organisatorisch weiterentwickeln, um den Wert von Daten in der Fertigung und der Nutzung von Produkten zu erkennen, diese Daten zu erheben und zu verarbeiten, Prozesse datengetrieben zu steuern und neue Geschäftsideen umzusetzen.“

Fachwissen und Methodenkompetenz erlangen

Im Lehrgang „KI Business Development ManagerIn“ lernen die Teilnehmenden, wie man Daten gezielt zur Wertschöpfungssteigerung und Prozessoptimierung einsetzt. Neben betriebswirtschaftlichen Aspekten stehen auch die Funktionsweise und Implementierung von KI im Unternehmen auf dem Lehrplan. Der technische Teil des Lehrgangs befasst sich mit innovativen KI-Technologien, wie maschinellem Lernen und Deep Learning und beleuchtet verschiedene KI-Werkzeuge, wie Microsoft Azure oder AWS. Im Spezialisierungsmodul haben die Teilnehmer/innen die Wahl zwischen dem Schwerpunktthema „Handel“ oder „Produktion“ für branchespezifische Anwendungsfälle.