Daten als Basis für das Geschäft

Die Integration digitaler Services und Prozesse in Wertschöpfungsketten
und Produktzyklen ist nicht nur Kür, sondern Pflicht, wenn Unternehmen
auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Die Digitalisierung wirkt sich in vielen Branchen mit Themen wie „Industrie 4.0“, „Smart City“, „Mobilität 4.0“ oder auch „Handwerk 4.0“ auf die traditionellen Geschäftsmodelle der Betriebe aus und verändert diese teilweise gravierend. Dabei bringen die Digitalisierung und die damit verbundenen IKT-Lösungen zahlreiche Vorteile und Chancen auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gleichermaßen mit sich. Grundlage ist hier die Nutzbarmachung von Daten.

Mittels einer Analyse der für das Geschäft oder die Branche relevanten Daten lassen sich zum einen interne Prozesse deutlich effizienter gestalten. In erster Linie wirkt sich dies auf Effizienz und Effektivität der Wertschöpfung im Kerngeschäft aus. Darüber hinaus können jedoch durch den intelligenten Einsatz der Digitalisierungs-Technologien und Datenanalyse neue Geschäftsmodelle und Services entstehen, um das Unternehmen breiter aufzustellen und damit wettbewerbs- und widerstandfähiger zu machen.

Neben Produkt und Serviceinnovationen sind damit auch Prozessinnovationen möglich, indem die Prozesse mittels Software und künstlicher Intelligenz vernetzt werden und so die Wertschöpfung gesteigert werden kann. Und dies nicht nur innerhalb des Unternehmens. Sondern auch in einer ganz neuen Form der branchenübergreifenden Kooperation mit Partnern und anderen Dienstleistern, indem diese aktiv in den digitalen Prozess eingebunden werden und relevante Daten gemeinsam genutzt werden.

So entstehen nicht nur in Start-ups, sondern auch in bestehenden Unternehmen, neue Geschäftsmodelle, die für ganz genau definierte Zielgruppen konzipiert und auf die Bedürfnisse dieser Kunden fast schon passgenau zugeschnitten sind.

Erfolgreich mit Datenanalyse

Die Analyse von Daten mittels intelligenter Softwarelösungen, der zielgerichtete Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ist für Unternehmen jeder Größe ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Wieviel Erfolg man mit einer sich immer weiter entwickelnden Datenanalyse erzielen kann, zeigen nicht zuletzt internationale Konzerne wie etwa Alphabet, die Google-Mutter. Durch detaillierte Datenanalyse und den gezielten Einsatz der dadurch gewonnenen Datenkenntnisse ist Google mittlerweile eine der erfolgreichsten Unternehmungen im digitalen Zeitalter. Doch der Konzern setzt auf weitere KI-Geschäftsmodelle. Autonomes Fahren gehört ebenso dazu wie ein bereits eingeführter Sprachassistent. Dass hier aber die Konkurrenz auch nicht schläft, zeigt der direkte Konkurrent Amazon. Während Apple sein Sprachsystem Siri lange vernachlässigte und Google noch an seinem Assistenten arbeitete, kam Amazon mit Alexa auf den Markt und ist neben „Hey Google“ der zweite Platzhirsch weltweit. Und mit ihm die (kostenpflichtigen) Geräte und die kostenpflichtigen Premiumdienste der Anbieter.

Deutschland hat Nachholbedarf

Während Unternehmen vor allem in Asien und USA mittlerweile mitten im digitalen Transformationsprozess sind, geht man dies in Deutschland eher zögerlich an. Durch die Veränderung der Prozesse werden alte Strukturen aufgebrochen und neue entstehen, Aufgaben verändern sich und neue Positionen und Arbeitsbereiche entstehen. Und dies ist natürlich kein Prozess, der in kurzer Zeit abgeschlossen ist, sondern ein komplexer Weg und dauerhafter Wandel, der sich zukünftigen Entwicklungen anpassen wird.

Vielleicht ist diese Komplexität der Grund, warum so viele Unternehmen Daten noch nicht monetarisieren und damit ihr Kerngeschäft stärken. Doch um im globalen und auch nationalen Geschäftsumfeld weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, führt an diesem Prozess kein Weg vorbei. Unternehmen müssen den digitalen Wandel verstehen und sich darauf einlassen, neue Strukturen aufzubauen. Sie müssen lernen, entlang der Wertschöpfungskette und des Produktlebenszyklus digitale Services und Prozesse zu integrieren, um so ihr Kerngeschäft zu stärken und auch neue Wertschöpfungsketten zu schaffen. Dazu ist im Unternehmen die Fähigkeit, Verständnis für Prozesse und Systeme in der konkreten Anwendung zu entwickeln, ebenso wichtig wie die Fähigkeit, digitale Strukturen auf Basis von bestehenden Daten in diese Prozesse und Systeme zu implementieren und durch neue Anwendungen zu verändern und zu verbessern.

# Projekte von Data-X

Die Vorhersage des Verhaltens von Fußgängern als ein Baustein zur Entwicklung des autonomen Fahrens ist ebenso ein Projekt wie auch ein virtueller Personal Trainer, der die Fitness unterstützen soll.

Verstehen und anwenden

Um Daten richtig nutzen und Lösungen schaffen zu können, die im Unternehmen zu einer erfolgreichen Digitalisierung führen, muss das nötige Wissen vorhanden sein. Wie nutzt man bestehende Daten und wie lassen sich neue Prozessbausteine in bestehende Strukturen einbinden, so dass diese zum Vorteil verändert werden?

Prof. Ikhlaq Sidhu, der Gründes Sutardja-Zentrums für Unternehmertum und Technologie (SCET) des College of Engineering an der UC Berkeley, beschäftigt sich mit diesem Basis-Rüstzeug der Moderne bereits seit mehreren Jahren und entwickelte den Kurs Data-X. Das Data-X Lab des Sutardja Center der UC Berkeley hat sich als Aufgabe gestellt, Technologien für neue Anwendungen zu entwickeln und somit Daten zu monetarisieren.

„Heute erfindet sich die Welt mit Daten und KI buchstäblich neu. Weder führende Unternehmen noch die weltbesten Studenten verfügen jedoch über das gesamte Wissen oder den Zugang zu allen Netzwerken, die sie zur Teilnahme an dieser sich neu entwickelnden Welt benötigen. Data-X ist ein UC Berkeley-Kurs und ein globales Projekt zur Behebung dieses Problems“, erläutert Professor Ikhlaq Sidhu.

Data-X: Einsatz in der Praxis

Das Data-X-Framework wurde entwickelt, um KI, Datenwissenschaft und neue Technologien zu erlernen und direkt anzuwenden. Damit schließt Data-X eine Lücke zwischen Theorie und Praxis, um Daten und KI in aktuellen Projekten und neuen Initiativen zu stärken. Ziel der Data-X-Projekte ist es, weltweit neue Unternehmungen, neue Forschungsergebnisse und Unternehmensinnovationen zu schaffen. Mit verschiedenen Kursen werden Studierende, aber auch Führungskräfte aus Unternehmen und Wissenschaftler in das komplexe Thema eingeführt und durch die einzelnen Bausteine geleitet. Dabei geht es Prof. Sidhu und seinem Team nicht darum, etwas grundsätzlich Neues zu bauen. Es geht im Kern darum, bestehende Technologien und Algorithmen so einzusetzen und zu kombinieren, dass dadurch ein neues System oder eine neue Anwendung entsteht.

Im Fokus des Data-X-Programms steht entsprechend auch die Anwendbarbarkeit in der Praxis. Alle Projekte haben das Ziel, einen ersten Prototypen zu entwickeln und diesen am Ende weiter zu verfolgen oder daraus ein neues Projekt zu starten. Neben den fachlichen Themen zur Entwicklung und Programmierung spielt auch die Rolle des Entrepreneur-Mindsets eine bedeutende Rolle für den Erfolg eines Vorhabens. Nur wenn die Teilnehmer auch unternehmerische Aspekte mit einbringen, kann ein Projekt eine erfolgreiche Innovation werden.

Das Data-X-Konzept soll also die Kluft zwischen Theorie und Praxis überbrücken, indem modernste Werkzeuge, Implementierungstechniken und Innovationsprozesse nicht nur gelehrt werden, sondern in praktischer Anwendung zum Einsatz kommen.


Die Philosophie von Data-X: Bekannte Open Source-Tools anwenden und daraus ein System konstruieren.


Internationale Partnerschaft

Ziel des Institutes von Professor Sidhu ist es, in Zusammenarbeit mit nationalen wie internationalen Partnern technologische Innovationen zu erschaffen und zugleich die unternehmerische Bildung im Technologiebereich zu fördern. Das Data-X Lab soll ein offener und kollaborativer Raum sein, in dem zukünftige Unternehmer Lösungen für ihre innovativen Geschäftsideen entwickeln können. Deswegen ist Data-X kein in sich geschlossenes System, das nur in Berkeley arbeitet. Vielmehr setzt man auf internationale Partner wie die bwcon, die in Baden-Württemberg Forschern und Unternehmen in technologischen Prozessen und Entwicklungen zur Seite steht und JungunternehmerInnen fördert.

Das Data Lab der bwcon, zu dem auch das KI-Lab mittlerer Neckar gehört und das bislang regional in Baden-Württemberg agiert hat, vernetzt sich nun international und kann das Angebot um diverse Partnerschaftsprogramme mit der UC Berkeley erweitern. Baden-württembergische Unternehmen haben nun die Möglichkeit, sich aktiv mit Studierenden der UC Berkeley zu vernetzen und dort Projekte zu platzieren. Darüber hinaus bietet die UC Berekley verschiedene Programme zur Weiterbildung an, wie zum Beispiel die Leadership Week, in der UnternehmerInnen ihre Fähigkeiten und Kompetenzen im Bereich Entrepreneurship und Innovation weiter vertiefen und nebenbei wertvolle Kontakte ins Silicon Valley knüpfen können.

Wissensaustausch

„Die Wertschöpfung in Daten und das Entwickeln einer Plattformstrategie, die die eigene, meist produktfokussierte Wertschöpfung von Unternehmen ergänzt, gehört nicht zu den Stärken europäischer Unternehmen, vergleicht man in diesem Aspekt Europa mit Nordamerika. Sicherlich sind einige aus Nordamerika kommende Ansätze nicht mit europäischer Datenethik vereinbar. Trotzdem sollte man das Denken und Handeln in Daten nicht pauschal mit ‚datenschutzrechtlichen Bedenken‘ überfrachten.

In Nordamerika besteht eine viel größere Kreativität bei der Zweitverwertung von Daten. Dort werden Daten vielmehr als Assets eines Unternehmens betrachtet und Werte generiert. In Europa arbeitet man ebenso mit Daten, aber mehr im Kontext von Produktverbesserungen. Die bwcon will, dass unsere Unternehmen beides beherrschen. Produktverbesserung lernt man eher in Europa, eine Zweitverwertung eher in Nordamerika. Deswegen haben wir mit dem Sutardja Center of Entrepreneurship der UC Berekely, einer renommierten amerikanischen Hochschule, eine für Deutschland exklusive Vereinbarung geschlossen, die es unseren Unternehmen ermöglicht, im Rahmen der Data-X Labs speziell diese nordamerikanische Herangehensweise an Datengeschäft zu lernen“, erläutert Dr. Jürgen Jähnert, Geschäftsführer bwcon GmbH, die Motivation für die Zusammenarbeit.

Die Partnerschaft passt dabei zum bwcon Data Lab und dem KI-Lab Mittlerer Neckar, beide dienen als Anlaufstelle für Unternehmen, die ihr Wissen im Bereich KI-Anwendung vertiefen wollen. Von ersten Sensibilisierungsangeboten – dazu gehören unter anderem Informationsveranstaltungen und Workshops des KI-Labs mittlerer Neckar – über Weiterbildungen bis hin zu gemeinsamen Projekten bietet es eine große Bandbreite. Im Data Lab Network treffen sich regelmäßig die Special Interest Groups von bwcon: baden-württemberg connected e. V., um sich über aktuelle Entwicklungen im Bereich KI und Blockchain auszutauschen.


Heute erfindet sich die Welt mit Daten und KI buchstäblich neu.

Prof. Ikhlaq Sidhu, Gründer Sutardja-Zentrums für Unternehmertum und Technologie (SCET) des College of Engineering, UC Berkeley.

Mehr zu Professor Ikhlaq Sidhu

Fakultätsleiter und Leitender Wissenschaftler
der University of California,
Berkeley Sutardja Center für Unternehmertum & Technologie.

Professor Ikhlaq Sidhu gründete bereits 2015 das Data-X Lab des Sutardja Center. Ziel Ikhlaq Sidhus war es, einen Kurs in Datenwissenschaft zu entwickeln, der das Rüstzeug in Form von Basis-Fähigkeiten und Wissen über Ansätze verleiht, mit dem sie innovative Datenwissenschaftsprojekte umsetzen können.
Seine Idee dabei war es, die wichtigsten Programmierkenntnisse für die Industrie und die am häufigsten eingesetzten Algorithmen beizubringen, und diese beiden Bausteine mit einem experimentellen Datenwissenschaftsprojekt zu verbinden, sodass die Teilnehmenden das erlernte Wissen direkt in der Praxis anwenden und in einem realen Projekt einsetzen können. Daraus entstand der Kurs Data-X.


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