Börsengang für Start-ups

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young begleitet Start-ups auf deren Weg an die Börse. So bspw. im vergangenen Jahr TeamViewer. Im Interview schätzt Marco Koch, Partner WP/StB/Assurance bei Ernst & Young (Bild), die Situation für Start-up-IPOs in Baden-Württemberg ein.

Herr Koch, wie schätzen Sie die Situation für Start-ups, den Börsengang zu wagen, in Baden-Württemberg ein?

Das Startup-Ökosystem in Baden-Württemberg bietet meines Erachtens eine sehr ordentliche Basis, von der aus sich einiges bewegen lässt. Dennoch gibt es einige Hürden. Grundsätzlich ist es allgemein weiterhin schwierig, an Wagniskapital zu kommen. In Baden-Württemberg scheint mir dies eher überdurchschnittlich schwierig zu sein. Es gibt viele erfolgreiche Firmen, die Innovationen im Konzern treiben, ohne dass dies in einen direkten Start-up-Bezug gesetzt wird. Zudem müssen wir die erfolgreichen Finanzierungen und
Transaktionen noch besser vermarkten.

Player wie bwcon und Veranstaltungen wie der Hightech Summit tragen immens dazu bei, Akteure zu vernetzen und einen aktiven Austausch über die Success Storys zu ermöglichen. Nach dem letzten Hightech Summit, bei dem wir auch den erfolgreichen Teamviewer-IPO und die Begleitung durch Ernst & Young dargestellt hatten, war das Feedback unglaublich positiv, die Leute sehnen sich nach solchen Geschichten.

Der Börsengang von Teamviewer hat erneut gezeigt, wie wichtig verschiedene Faktoren sind: ein bereits nachgewiesener Markterfolg, Qualität, Verlässlichkeit, dazu eine überzeugende Wachstumsstory und ein professionelles Team aus Management und Beratern. Teamviewer war zum Zeitpunkt des IPO schon kein Start-up mehr. Bei „echten“ Start-ups besteht in der Regel ein viel höheres Risiko für die Investoren und damit natürlich eine noch höhere Hürde und es erfordert noch mehr Mut, den Schritt zum Investment zu wagen.

Wie schätzen Sie die allgemeine Lage perspektivisch ein, wieder IPOs von Start-ups aus Baden-Württemberg umsetzen zu können?

Meines Erachtens bringen einige Startups die Voraussetzungen mit, um einen IPO anzugehen. Allerdings müssen noch weitere Faktoren zusammenspielen, die man nicht alle selbst kontrollieren kann, wie zum Beispiel ein passendes Marktumfeld oder politische sowie regulatorische Entwicklungen. Die Planbarkeit hat dazu in den vergangenen Monaten nochmals abgenommen. Zudem steht immer die Frage im Vordergrund, ob der IPO vom Start-Up angestrebt wird.

Welche Rahmenbedingungen und Herausforderungen gibt es von IPOs von Start-ups aus Baden-Württemberg?

Die Rahmenbedingungen hängen maßgeblich von der Branche ab – verschiedene Sektoren lassen sich nur schwer vergleichen, die Volatilitäten unterscheiden sich teilweise deutlich voneinander. Zu all den Rahmenbedingungen kommt aktuell das Thema Covid-19 hinzu: Welchen Einfluss hat die Pandemie auf das Unternehmen? Ein positives Beispiel aus Baden-Württemberg hierfür ist Curevac mit dem sehr erfolgreichen Börsengang in den USA im August 2020.

Welche Rolle spielte Ernst & Young beim IPO von Teamviewer?

Ernst & Young begleitet Teamviewer bereits seit 2010, die ersten Abschlussprüfungen betrafen Abschlüsse mit Umsätzen im einstelligen Millionen-Bereich. Danach waren wir Abschlussprüfer und haben im Finanzbereich, bei steuerlichen Fragen und weiteren Themen beraten, soweit wir dies unter Beachtung der Unabhängigkeitsanforderungen konnten. Für den Börsenprospekt haben wir einen Comfort Letter für die enthaltenen Abschlüsse erteilt und die IPO-Transaktion inkl. Zusammenarbeit mit dem Teamviewer-Management, den Anwälten und Banken eng begleitet.