»Bitte leeren, ich bin voll«

Binando gestaltet die Digitalisierung der Abfallwirtschaft mit. Das Startup hat ein System entwickelt, mit dem Abfallcontainer optimiert geleert werden, denn Sensoren funken automatisch denn Füllstand der Behälter weiter. Die jungen Gründer sind alte Hasen im Geschäft, denn für beide ist es schon die zweite Firmengründung. Das Potential für ihr neues Produkt ist prächtig.

Einfach genial ist die Idee des Startups Binando, weil sie genial einfach ist. „Andere Gründer beneiden uns sehr, weil unsere Geschäftsidee ganz leicht zu erklären ist”, sagt Nikolaos Baltsios (32), einer der beiden Gründer. Sensoren messen den Füllstand in Abfallbehältern. Diese Daten werden über Mobilfunk an den Computer bei Binando übertragen. Dort ermittelt eine Software die optimale Route fürs Leeren der Behälter. Diese Strecke wird abschließend ans Navigationssystem des Abfallfahrzeugs übertragen. „Bis zu einem Drittel der Kosten für die Fahrten lassen sich mit unserer Lösung einsparen.” Mit dem Produkt von Binando gibt es keine Glascontainer mehr, die überfüllt sind. Und keine Leerfahrten. Üblicherweise werden die Container nach einer Standartroute angefahren und geleert. Unabhängig vom Füllstand und immer am gleichen Tag. „Das ist ineffizient”, sagt Baltsios. Mit der Lösung von Binando lassen sich Zeit, Sprit und CO2-Emissionen reduzieren.

Die Gründer von Binando.
Die Gründer von Binando.

Von guten Kontakten profitiert
Für Baltsios ist es bereits die zweite Firmengründung. Er hat einen Bachelorabschluss in Volkswirtschaftslehre und einen Master in Merger and Aquisitions. Firmenfusionen und Firmenübernahmen sind die deutschen Worte dafür. Anschließend hat er in einer Bank im Investmentbanking in seinem Fachgebiet gearbeitet. Nach drei Jahren hat er gekündigt und mit anderen ein Startup gegründet, dessen Produkt ein Vermittlungsportal für Parkplätze war. „Es lief aber nicht wie erwartet, deshalb haben wir die Firma geschlossen.” Geblieben sind die guten Kontakte zur Gründerszene in Stuttgart, die untereinander ordentlich vernetzt ist.

So kam er ins Programm Activatr. Bei dem werden Gründer mit Unternehmen vernetzt, um gemeinsam eine neue Geschäftsidee zu finden. Für den Energiekonzern EnBW sollte ein Geschäftsmodell entwickelt werden, das auf Daten aufbaut, die in einer Stadt erfasst werden. Niko Baltsios und Moritz Pfeiffer (27) bildeten ein Team, vorher kannten sie sich nicht. Heraus kam das intelligente Abfallmanagement. Pfeiffer hat einen Bachelor in Wirtschaftsinformatik und einen Master in Business- and Process-Management, dann als Computerspezialist bei IBM gearbeitet und auch bei ihm ist es die zweite Firmengründung. Er entwickelte vorher Apps und Webseiten. Pfeiffer ist fürs technische bei Binando zuständig, Baltsios macht das Kaufmännische. Sein Engagement lässt sich EnBW in Unternehmensanteilen auszahlen. „EnBW ist für uns Investor, Ratgeber und Türöffner durch die guten Kontakte in Kommunen”, sagt Baltsios.


»Andere Gründer beneiden uns sehr,
weil unsere Geschäftsidee ganz leicht zu erklären ist.«
//Zitat: Nikolaos Baltsios


Neun Monate lief das Programm Activatr im vergangenen Jahr. Im Februar dieses Jahres wurde Binando ins Handelsregister eingetragen, damit war die Firma offiziell gegründet. Ihr Sitz ist Stuttgart.

Erfolgreiche Pilotprojekte
In mehreren Großstädten Deutschlands wurde das System in etwa 200 Glascontainern getestet. Die Pilotprojekte sind nun abgeschlossen. Die Tests waren erfolgreich und haben das große Einsparpotential gezeigt. „Ab Jahresende, spätestens zum Beginn des neuen Jahres, werden wir etwa 1.000 Glascontainer einer deutschen Großstadt mit unserem System ausstatten”, sagt Baltsios. Welche das ist, darf er jetzt noch nicht verraten. Um die 250.000 Glascontainer gibt es deutschlandweit. Im nächsten Schritt wollen sie den Markt für Altkleidercontainer bearbeiten. Grundsätzlich eignet sich die Lösung für jede Art von Abfallbehälter. Auch für die Altpapier- oder Müll-Tonne zu Hause. Das Marktpotential ist enorm, der Wettbewerb überschaubar. „International gibt es vergleichbare Produkte, national mit unserer Integrationstiefe bis ins Navi hinein nicht”, sagt Baltsios. Schon ab 2019 soll die junge Firma Gewinne erwirtschaften. Sie hat zwei feste Angestellte und arbeitet mit mehreren freien zusammen.

Mit der cleveren Idee hat Binando es auf die Titelseite unserer dritten Ausgabe geschafft.

Neue Herausforderung im Startup
Die beiden jungen Männer haben gut bezahlte Jobs aufgegeben, um eine Firma zu gründen. Baltsios hat das aus zwei persönlichen Gründen getan: „Dass sich das Geschäft mittel- und langfristig finanziell lohnt. Und weil meine Lernkurve in der Bank nach drei Jahren gegen Null tendierte.” Jetzt steigt sie wieder steil an, weil jeden Tag neue Herausforderungen zu meistern sind. Nur bei der Namensfindung für ihre Firma wollte sich das Duo sein Leben nicht unnötig schwer machen. Binando war schnell gefunden. Die ersten drei Buchstaben Bin sind das englische Wort für Abfallbehälter und den Appendix ando tragen Startups häufig. Als wäre es ein Erkennungszeichen dafür.

Peter Ilg

 

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